»Ein Gastmahl in Lichtenberg«
Berufsorientierung durch Theater, Radio und Film

Das Theater- und Medienprojekt richtete sich an junge Menschen im Alter zwischen 14 und 21 Jahren mit unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft. Zwei heterogen zusammengesetzte Projektgruppen beschäftigten sich – ausgehend von Platons »Gastmahl« und ihren eigenen Biografien – mit dem Thema »Liebe«: Wie werden Beziehungen gestaltet? Wo findet man überall Liebe und warum ist sie überlebensnotwendig? In regelmäßigen Treffen mit theater- und medienpädagogischer Begleitung nutzten die Teilnehmer/innen darstellerisch-künstlerische Methoden, entwickelten Szenen und Texte mit biografischen Bezügen und planten die dramaturgische Gestaltung der Abschlussveranstaltung. Das Vorhaben förderte den Dialog der Jugendlichen in den Projektgruppen und ermöglichte ihnen, Berufsbilder in den Bereichen Theater, Bühne und Radio kennenzulernen.

Projektidee und Kooperationspartner

Berufsorientierung, Kompetenzentwicklung und Förderung der Ausbildungsmotivation bei bildungsbenachteiligten Jugendlichen: So lauteten die Ziele des Theater- und Medienprojektes »Ein Gastmahl in Lichtenberg«, einem  Berliner Stadtbezirk mit hoher Jugendarbeitslosigkeit. Das Vorhaben wurde durchgeführt von ACT e.V. (ehem. Mitspielgelegenheit e.V.) in Kooperation mit der Puschkin-Schule, dem Förderverein für arbeitslose Jugendliche (FVAJ), dem Jugendfunkhaus und dem Kulturhaus Karlshorst.

Im Mittelpunkt des Vorhabens stand die Auseinandersetzung mit dem Thema »Liebe« in Form von Theater, Radio und Film. Kerngedanke war es, die Vielfalt verschiedener Stimmen und Sichtweisen zu einem allgemein bekannten Thema hör- und sichtbar zu machen. Pate für die Projektidee stand der antike Philosoph Platon und sein Werk »Symposion (Das Gastmahl)«, ein philosophischer Wettstreit zum Thema »Liebe«.

Das Projekt vermittelte den jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Fähigkeiten im Bereich Teamarbeit, Projektentwicklung und (Selbst-)Präsentation. Darüber hinaus verschaffte es den Jugendlichen praktische Einblicke in Arbeitsfelder aus Film und Rundfunk, um sie z.B. für Ausbildungsmöglichkeiten der lokal ansässigen Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) oder für niedrigschwelligere Ausbildungsgänge (Veranstaltungstechniker o.ä.) zu sensibilisieren. Durch die Vernetzung von vier im Bezirk tätigen Einrichtungen entstand ferner ein Forum für die Entwicklung nachhaltiger Zielsetzungen im Stadtbezirk.

Projektablauf und Aquise der Teilnehmer/innen

Zunächst erfolgte durch die Projektleitung in Zusammenarbeit mit dem Vorstand von ACT e.V. und den Kooperationspartnern die Projektplanung. Neben der Festlegung einzelner Meilensteine wurde der Aufbau der internen Kommunikation geleistet und Vorgespräche zu Zielen und Inhalten des Projektes geführt. Außerdem wurden Angebote eingeholt, das theater- und medienpädagogische Team zusammengestellt, sowie die Strukturen für Buchhaltung bzw. Rechnungswesen und Verwaltung eingerichtet.

Es folgten Gestaltung und Druck eines Flyers für die Teilnehmer-Akquise. Dieser wurde dann bei Infoveranstaltungen (Regional-AG 4.2, Schule am Rathaus, Max-Taut-Schule, Puschkin-Schule, Kulturhaus Karlshorst) an Jugendliche ausgegeben. Ergänzend wurde eine Projektseite auf dem Internetauftritt des Trägervereins angelegt.

Workshops: Radio, Theater, Film

Die Teilnehmer/innen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft nahmen in zwei Projektgruppen am Vorhaben teil: eine Gruppe traf sich jeweils wöchentlich im Kulturhaus Karlshorst, die andere Gruppe im Jugendfunkhaus. Inhalte der ersten Workshop-Termine im September 2014 waren das gegenseitige Kennenlernen, die Verständigung auf gemeinsame Regeln und Arbeitsweisen, Teambuilding, die Erhebung von Daten im Rahmen der (Selbst-)Evaluation sowie eine erste Einführung in die Theaterarbeit.

Im ersten Halbjahr des Projektes lag der Schwerpunkt auf der Produktion eines Hörspiels. In diesem Zusammenhang fand die erste Exkursion in das Hörspielstudio des Funkhauses Berlin statt. Begleitend dazu wurden die Jugendlichen zu Berufen rund um den Hörfunk informiert. Alle Beteiligten nahmen die Exkursion sehr positiv auf. Sie steigerte die Motivation der Teilnehmerinnen für den weiteren Projektverlauf.

In beiden Gruppen fand von Oktober bis Dezember 2014 die Produktion des Hörspiels statt. Die Grupe im Jugendfunkhaus hat sich bei den Aufnahmen beispielsweise mit der Erzeugung von Geräuschen beschäftigt. In verschiedenen Schreibwerkstätten entstanden darüber hinaus Texte, die für das Hörspiel verdichtet, verfremdet und überarbeitet wurden. Für die Aufnahmen wurden zwei Workshoptage im Jugendfunkhaus organisiert. Alle Jugendlichen wirkten als Autor/innen und Sprecher/innen mit. Ein professioneller Filmer begleitete und dokumentierte die Workshops an einzelnen Terminen.

Im Januar 2015 fand ein erster Workshop zur Berufsberatung mit Frau Anetta Beyer vom Starthilfe Network statt. Ziel war es herauszufinden, wo genau die Teilnehmer/innen Beratungsbedarf hatten. Weiteres Jobcoaching in Form von Workshops und einem Erzählcafe schloss sich im weiteren Verlauf des Projektes an.

Im Februar und März fanden Einzelgespräche im Rahmen der Theaterworkshops statt. Dort wurden gemeinsam mit den Teilnehmer/innen ihre Kompetenzentwicklung und Stärken reflektiert. Parallel dazu begann die Rollenarbeit in Hinblick auf die Stückentwicklung. Im Januar 2015 kam eine professionelle Bühnen- und Kostümbildnerin zur Unterstützung der Rollenarbeit in den Workshops. Hier ergab sich für die Jugendlichen eine weitere Möglichkeit, Einblicke in den Bereich Mode/Kostümbildnerei Einblicke zu erhalten und gleichzeitig selbst die Theaterarbeit mit den Kostümen zu erleben und auszuprobieren. Von April bis Juni 2015 haben beide Gruppen an der Entwicklung ihres Theaterstücks gearbeitet, in denen sie sich z.B. mit ihren Stärken und ihrer Sicht auf die Welt auseinandersetzten.

Im Mai haben alle Teilnehmer/innen und die Kursleitungen eine Exkursion ins Theater an der Parkaue unternommen. Dort erhielten sie zuerst eine Bühnenführung zu Berufen am Theater und besuchten anschließend die Aufführung »Die toten Seelen«. Die Exkursion wurde im Anschluss in den Workshops aufgegriffen und ausgewertet.

Proben und Aufführungen

Die Öffentlichkeitsarbeit zur Theaterpräsentation umfasste Flyer, Plakate sowie Mitteilungen auf der Website des Vereins und bei Facebook. Die Proben wurden filmisch und fotografisch begleitet und dokumentiert. Dabei wurden Film und Fotografie als didaktische Materialien verwendet, um mit den Jugendlichen den Prozess und die eigene Entwicklung zu reflektieren. Aufgrund der kleineren Gruppe im Jugendfunkhaus haben sich die Jugendlichen dort entschieden, einen Kurzfilm zum Thema »Liebe« zu drehen, statt eine Theaterpräsentation einzuüben. Hierbei wurde das Team von den Medienpädagogen des Jugendfunkhauses unterstützt. An drei aufeinander folgenden Tagen fanden im Kulturhaus Karlshorst Intensivproben zur Vorbereitung der Aufführung inkl. Licht und Tontechnik statt.

Anfang Juli wurden die Ergebnisse der Arbeit bei zwei öffentlichen Theater- und Filmpräsentationen im Kulturhaus Karlshorst vorgestellt. Beide Veranstaltungen waren mit über 170 Zuschauer/innen vollbesetzt. Im August wurde die Auswertung des Projektes vorbereitet und ein Erzählcafe organisiert, das im September im Jugendfunkhaus stattfand. Hier waren wieder Expert/innen dabei, die bereits im Verlauf des Projektes Kontakt mit den Jugendlichen hatten. Die Teilnehmenden hatten noch einmal Gelegenheit, in geschütztem Rahmen Nachfragen zu stellen und sich gezielt über die verschiedenen Berufswege zu informieren. Der FVAJ erstellte dazu eigens die Handreichung »Berufe am Theater«.

Im August und September 2015 wurde das Projekt evaluiert und erfolgreich abgeschlossen. »Ein Gastmahl in Lichtenberg« war ein Projekt des Bündnisses für Wirtschaft und Arbeit Lichtenberg. Es wurde gefördert aus Mittel des Europäischen Sozialfonds und aus Mitteln der Robert Bosch Stiftung.

Kontakt und weitere Informationen

ACT e.V.
Anna Maria Weber
Sonnenallee 147
12059 Berlin
E-Mail: a.m.weber(at)act-berlin.de
Web: www.act-berlin.de
Fotos: Maria Zillich

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